Warum wir eine Familie sind

Was ist ein Familie?

Also mal ganz abstrakt gedacht.

Eine Familie ist ein Haufen „wildfremder“ Menschen, die zusammengewürfelt werden und dann miteinander auskommen sollen. Die sich an Weihnachten und in Stresssituationen irgendwie zusammenreißen müssen um zu funktionieren. Sicherlich gelingt das Einigen besser, anderen eben nicht, andere Familien zerbrechen an der Last die sie tragen, andere finden sich gar nicht zurecht und brechen aus.

Nicht nur die Genetik macht uns zu einer Familie, auch der Beruf

Und das im besonderen Maße in der Medizin.

Da prallen oft Welten aufeinander.

Da ist der nette ältere Herr, der sich weise in seinem Sessel zurücklehnt und das wilde Treiben von Außen betrachtet und die Geschehnisse von weiter weg analysiert, sich zurück nimmt und bei Bedarf immer ein offenes Ohr hat. Ähnlich dem Chefarzt (jaaa, ich weiß auch das die nicht immer ganz nett sein können!)

Dann gibt es da die gestresste Mutter, die passend zu Weihnachten, versucht es allen Recht zu machen, jeden Wunsch zu erfüllen versucht und selbst ihre eigenen Wünsche für die Familie an den Nagel hängt, sich darüber aber nicht beklagt und es als Selbstverständlichkeit hinnimmt. Ähnlich wie die Stationsleitung oder die Oberärztin die sich beide um den Nachwuchs kümmern und ihnen beiseite stehen.

Dann gibt es da noch den jungen Familienvater der sich auf Weihnachten freut, über das Geschenke verteilen, über strahlende Kinderaugen, sich darüber freut seiner Frau einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen aber von dem Gedränge und den schlaflosen Nächten erschöpft ist und eigentlich nur ganz tief in seinem Herzen Ruhe haben will und sich zwischen beiden Bedürfnissen verausgabt und es ihn innerlich fast zerreißt. Ähnlich wie dem Facharzt oder berufserfahrenen Pfleger auf Station die schon vieles gesehen und Dienste am laufenden Band geschoben haben. Jene, die die jungen Kollegen noch an die Hand nehmen, Verantwortung haben und sich selbst in der kindlichen Unbeschwertheit wiederfinden oder wiederfinden wollen.

Dann gibt es da die jüngere Schwester, die gerade mit ihrer Ausbildung fertig ist aber mit der Entscheidung hadert und nicht weiß ob das alles das Richtige war und sich nicht anvertrauen will. Die still in der Ecke sitzt, an ihrem Glas Wein nippt und dem Trubel zuschaut, sich manchmal erhebt um zu interagieren aber nicht so recht wahrgenommen wird und ein bisschen vernachlässigt wird. Ähnlich dem jungen Assistenzarzt oder der frisch examinierten Kollegin die noch ihren Platz finden müssen und Angst haben etwas falsch zu machen sich aber nicht anvertrauen wollen.

Dann gibt es noch den jungen Bruder der auf gar nichts Bock hat aber gezwungen worden ist an diesem Fest teilzunehmen, völlig genervt ist und einfach nicht dabei sein will, der lieber feiern gehen will oder sich in seinem Zimmer verstecken will bis die ganze Horde wieder das Haus verlassen hat. Ähnlich dem Auszubildenden oder Studenten dessen Lebensmittelpunkt einfach noch ein anderer ist und der erst noch mit dieser engen Familiensituation als Erwachsener zurecht kommen muss. Irgendwie eben erwachsen aber mit dem Herzen eines Teenies der noch nicht loslassen kann und noch den Kokon braucht.

Dann gibt es die völlig durchgeknallte Cousine, die laut ist, die forsch ist, die sich noch vorm Anrichten ein Stück vom Buffet klaut, fast den Tannenbaum umstößt, den Wein verschüttet, kichert und lacht. Jene die zwar irgendwie im Mittelpunkt zu stehen scheint, aber die nicht wirklich wahrgenommen wird wenn Sie dann doch mal in sich gekehrt am Fenster steht und dem Schneetreiben zuguckt und sich Sorgen macht wie nachher alle nach Hause kommen weil sie alles sind was sie hat und an den Vater erinnert wird den sie bei einem Unfall im Winter auf der Autobahn verloren hat. Ähnlich der Assistenzärztin oder der pflegerischen Kollegin die morgens in den Visiten immer Krach machen, zu jedem Witz bereit sind, aufmerksam sind aber deren wahre Besorgnis um die Familie und Patienten verborgen bleibt weil sie nicht drüber reden wollen oder können.

Wir sind in jeder Lebenslage ein wild zusammengewürfelter Haufen die eben durch Arbeit oder Verwandtschaft miteinander verbunden sind aber jeder Einzelne hat sein Berechtigung, jeder ist wichtig, jeder trägt seine eigene Geschichte mit sich rum die manchmal nur schwer zu erkennen ist.

Und trotzdem funktionieren wir wenn es darauf ankommt als Familie. Egal ob der Braten an Weihnachten verbrannt ist oder eben der Notfallpatient der uns in die Notaufnahme oder die Intensivstation gespült wird.

Wir arbeiten Hand in Hand, kennen uns und auch irgendwie nicht, aber wir geben unser Bestes. Und am Endes des Tages bleibt die Erinnerung an etwas Gemeinsames, an vielleicht Lustiges, an Trauriges, an Stressiges.

So vergehen die Tage, Monate und Jahre, man schafft Erinnerungen und Basis. Man wächst weiter zusammen und sieht die kleinen feinen Nuancen , erkennt warum manche Menschen sind wie sie sind und man lernt sie so zu nehmen wie sie sind aber man weiß, dass man sich drauf verlassen kann. Es wird einem bewusst das man auch den Verschrobensten lieb gewonnen hat und ihm blind vertrauen kann.

Das macht Familie aus!

Und am Ende sitzen wir dann doch alle zusammen am Tisch und erinnern uns an Vergangenes, lachen uns an und lieben das was wir haben. Wir sagen es nur nicht so offen!

Veröffentlicht von schwesterunbequem

Alles im Blog unter der Rubrik "Über" nachzulesen

Ein Kommentar zu “Warum wir eine Familie sind

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: